Über die merkwürdige Musikwahl von TV Reportagen…
Loco Garcia | 14. September 2006
Gestern ergab es sich, dass ich nach meiner gewohnten Dosis Lost auf Premiere noch auf Sat.1 verweilt bin. Warum, naja, man kann ja nicht ständig Unterschichtenfernsehen konsumieren sondern muss sich auch mal weiterbilden - was eignet sich dazu besser als Clever, die Show die wissen schafft (herrliches Wortspiel).
Gezwungernermaßen musste ich länger auf Sat.1 verweilen, denn es wartete ja noch eine Geburtstagstorte darauf, angefertigt zu werden. Mit meiner besseren Hälfte hiess es dann also nach alter Familientradition das Zuckerschockmonster Schmankerl zubereitet als ich auf die Folgesendung aufmerksam wurde: Wie die Wilden - Deutsche im Busch.
Was zu aller Erst wie ein schlechter Pornofilmtitel lautet, wie man ihn normaler früher auf Sat.1 erwartet hätte, stellte sich als Dokusendung heraus (finde ich das nun Schade oder nicht). Worum gehts dort? Na, Deutsche im Busch halt - Auswanderer, die ein anderes Leben kennenlernen wollen.
Es reicht ja schon fast, dass sich diese Leute vollends zum Horst machen und ich eh glaube das lustige Werbetexter oder Plotschreiber die Aussagen der Stammesoberen sich ausdenken. Würde mich auch wundern, denn immerhin wird die Show bei Sat.1 unter “Comedy & Show” gelistet. Wohl eher Comedy.
Nunja, so plätscherte diese Sendung vor sich hin, bis auf ein Mal meine Ohren - Musiker wie ich bin - auf die Hintergrundmusik aufmerksam wurden.
Jeder normale Mensch würde bei einer Sendung die in Afrika spielt, über Eingeborene handelt und von Stammesriten erzählt auf eine passende, musikalische Untermalung Wert legen. So aber nicht die zugekoksten pfiffigen Mitarbeiter dieses Formats.
Denn was musste ich dort wahrnehmen? Heimische Musik aus einem meiner Lieblingsfilme. 1999 war es glaube ich, als Emir Kusturica den Film “Schwarze Katze, weisser Kater” gedreht hat. Ein Film über Zigeuner in Ex-Jugoslawien. Herrlich skurill, teils slapstik haft, teils tragikomisch. Auf jeden Fall vom Inhalt her wirklich passend mit Produktionen wie “Snatch” von Guy Ritchie.
Den Soundtrack zu diesem großartigen Film lieferten keine geringen als Goran Bregovic, seines Zeichens erfolgreichster Künstler des Balkans mit seiner Band “Bijelo Dugme” (weisser Knopf) und das Boban Markovic Orkestar, wiederum erfolgreichste Brass Band und mehrfache Gewinner des Guca-Festivals, über die selbst Miles Davis meinte: “Ich wusste gar nicht das man so etwas mit einer Trompete machen kann!”.
Heimische Musik also, und das mitten in Afrika. Bubamara - was so viel heisst wie Maikäfer. Sehr gelungen, nur völlig fehl am Platz. Oder wurde das gewählt, weil es tolpatschig Klang?
Für Balkanohren war es wirklich merkwürdig, eventuell haben andere es als passend empfunden, ich persönlich fand es aber als lustige Sache Zigeunermusik vom Balkan in einer Realityshow über den Afrika zu hören.
Globalisierung, ick hör dir trapsen.









